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Bibliotheksgeschichte

20 Jahre Schul- und Gemeindebibliothek Bonaduz (1985 - 2005)

"zurück zum Anfang"

Zusammengestellt am am 26. September 2005 von Agnes Egli-Ryser, Ehrenpräsidentin

 

Rückblick im Gedenken an verdiente Persönlichkeiten im Bibliothekswesen

Im Jahre 1876 wurde der nachmalige Lehrer Rudolf Caluori geboren. Vierzig Jahre war er als Lehrer in unserem Dorf tätig und in dieser Zeit betreute er auch die Bibliothek, die sogenannte Volksbibliothek. Sonntags, Viertel vor zwölf läutete das Glöcknern. Es war das Zeichen für die Bücherausgabe bis zur Vesper um halb eins. Seine Frau und seine Tochter Irma wirkten als Lektorinnen. Rudolf Caluori starb 1938. Ad Interim führte seine Tochter Irma die Bibliothek bis im gleichen Jahr Lehrer Peder (1904 - 1985) seine Stelle in Bonaduz antrat. In dieser Zeit bekamen alle Bücher neue Einbände aus braunem Packpapier. Ein Bestand von ca. 200 Bänden ist noch vorhanden im Kulturarchiv.

Noch 1968 schrieb unser 12jähriger Sohn Stefan ins Ausland "Wir haben eine Bibliothek (in der Schule)". Anfangs der 70er Jahre ging Lehrer Peder in Pension. In dieser Zeit schlief auch die Volksbibliothek ein.

1984 Orientierung in der Schweiz, dem nahen Ausland und bei Frau Eleonora Viele-Nann über den Stand der modernen Gemeindebibliotheken.


Ausbildung im Kanton Graubünden:

  • 1985: Besuch des Grundkurses in der Aspermont Bibliothek beim legendären Hans Danuser-Casal. Ihm verdanken wir den Dr. Alice Denzler-Fonds. Der zweitägige Grundkurs war für alle Mitarbeiterinnen obligatorisch.
  • ab 1987: Fortbildungskurse
  • ab 1991: Bündner Ausbildung zur Bibliothekarin /ar SAB
  • 1990 schloss ich meine Ausbildung zur Bibliothekarin SAB an der Zentralbibliothek in Zürich mit dem Zertifikat ab.


Die moderne Schul- und Gemeindebibliothek entsteht:

  • 30. April 1985: Schreiben an den Gemeindevorstand. Gesuch für einen Raum.
  • 10. Juni 1985: Info-Abend für die Bevölkerung
  • 19. Juni 1985: Die Gemeindebehörde (Antwortbrief, Präsident Joachim Caluori) stellt der Bibliothek das Unterrichtszimmer EG-Ost im Primarschulhaus unentgeltlich zur Verfügung. Der Kantonsbibliothekar in Chur, Dr. Christoph Jörg, hat es für geeignet befunden.
  • 6. September 1985: Gründungsversammlung "Verein Schul- und Gemeindebibliothek Bonaduz". Dabei werden die ersten Sponsoren bekannt gegeben (Sponsorenliste). Wir versprechen, die Bibliothek im Frühling 1986 zu eröffnen.

An der Bibliotheksarbeit interessierte halfen beim Aufbau mit. Ich war das Büro, das Zugpferd, getraute mich, mit den Behörden an einen Tisch zu setzen. Mit viel Wissensvorsprung im modernen Bibliothekswesen und im Interesse der fachlichen Arbeit musste ich oft Durchsteh- und Durchsetzungsvermögen zeigen, was nicht immer goutiert wurde. So gebot mir eine Bonaduzerin von altem Geschlecht: "Du muesch mit meine, du chasch de Bonaduzer chi säge, was sie tue hän." Die gleiche Bonaduzerin wollte gerne mitarbeiten in der Bibliothek, aber nür bei wüstem Wetter, wenn's schön sei, gehe sie spazieren. Dies hatte keine Nachwirkung. Im Gegenteil, es war ein überwältigendes Erlebnis, den Einsatz dieser Frauen, Zugezogener und Bonaduzerinnen, erleben zu dürfen.


Wir bewarben uns um den Biblio-Suisse-Preis

Der Schweizer Bibliotheksdienst startete den Biblio-Suisse-Preis. Während der Jugendbuchwoche des Schweizerischen Bundes für Jugendliteratur erhielten wir am 16. November 1985 zusammen mit Splügen und Begrün in Wil SG fünfhundert Kinder- und Jugendbücher, bibliotheksfertig aufbereitet, samt Katalogkarten und Ausleihzubehör im Wert von Fr. 5000.-. Der St. Galler Dr. Peter Wägelin war anwesend, ebenso der unvergessene Hans A. Müller aus Luzern (Schöpfer Biblio-Suisse-Preis) und der Direktor des Schweizer Bibliotheksdienstes SBD Hans Rohrer, ein markiger Berner Burger. Dieses Trio bildete damals, so kann man sagen, die Oberschicht im Bibliothekswesen der deutschen Schweiz. Sie formten die moderne Bibliothekslandschaft.

Daneben war die Schweizerische Volksbibliothek SVB massgebend (bis heute) für die Ausleihe von Bibliotheksbeständen. Für Graubünden verwaltete die SVB den Dr. Alice Denzler-Fonds. An der Spitze der SVB stand zuerst der Walliser Dr. Gattlen, später Dr. Egon Wilhelm, Uster, als Präsident.

 

Politische Gemeinde: Budget-Gemeindeversammlung

  • 21. Oktober 1985: Besprechung mit Gemeindepräsident Joachim Caluori und Christian Theus betr. Betriebsbeitrag (Fr. 6000.)
  • 26. Oktober 1985: Reservation der Alten Turnhalle für den 12. April 1986 für die Eröffnungsfeier der Bibliothek. Wir versprachen an der Gründungsversammlung die Bibliothek im Frühling zu eröffnen und hielten Wort.
  • 2. Dezember 1985: Die Regale bestellt. Kosten Fr. 13'000.-
  • 12. April 1986: Die Bibliothek nimmt den Betrieb auf. Bei der Einweihungsfeier zitterte ich:"Hält der Boden die grosse Gästeschar? Ja, er hält. Schliesslich hat Donatus Meschenmoser gute Arbeit als Zimmermann geleistet. Der Raum war eine halbe Raumhöhe "unterkellert". HH Pfarrer Max Herger segnet im Beisein von Pfarrer Peter Niederstein die Bibliothek ein.
  • 1986: René Augier kreiert das Logo unentgeltlich.
  • 1986: Anfangs November Zusicherung von Fr. 10'000.- aus dem Dr. Alice Denzler-Fonds.

 

Veranstaltungen - Lesungen

  • 1988: Freitag vor Pfingsten. Die 91jährige Jüdin Gerte Speis kommt zur Autorenlesung nach Bonaduz. Lesung mit dem Titel: "Die Leiden, an die ich nicht glauben wollte..." vermittelt von Pfarrer Peter Niederstein. Von den über hundert Veranstaltungen war diese Lesung die Ergreifendste (Siehe tabellarische Auflistung der Anlässe von 1985 bis 1997).

 

Ein grosses Ereignis war die erste Tagung der Bibliothekarinnen und Bibliothekare Graubünden 1989 in Bonaduz. Tagunsthema: "Keine gut funktionierende Bibliothek ohne gut ausgebildetes Personal und ausgebildetes Personal hat Anrecht auf Entlöhnung". Gastreferent war Samuel Herrmann, Langenthal, Bibliotheksbeautragter des Kantons Bern. Die Teilnehmerinnen spendeten uns eine Bilderbuchtrog.

1989 mussten wir die Bibliothek ins Gemeindehaus zügeln. Das Schulhaus wurde renoviert und 1991 wieder eröffnet. Die Bibliothek wird doppelt so gross.


1994/95: Vom Zettelkatalog zur EDV

Welche Erleichterung für das Personal und die Benutzer. Als Ersatz für den Zettelkatalog gab's eine Recherchestation, die leider entfernt wurde. So sitzt nun die Bibliothekarin wie eine Gralshütern über dem Bestand am PC.

 

  • 6. September 1995: Carlo Stecher wird Präsident des Vereins
  • Nov. 1997: Dank der Dr. Winterhalter Stiftung erhalten wir die Ausleihtheke.
  • Per 1. Januar 1998 wird Trudi Hobi die Leitung der Bibliothek übertragen. Sie ist Nachfolgerin der ersten Leiterin Agnes Egli-Ryser.

 

Es war ein grosses Glück, die Bibliothek in kompetente Hände legen zu können.

Herzlichen Dank dem Team, besonders Trudi Hobi und Carlo Stecher

Zum Schluss, was mir am Herzen liegt:

"Es sich schön, nümme müsse streng z'si
es sich schön, dass Bibliothek vorbildlich funktioniert
es sich schön, z'danke chönne."

Zusammengestellt am am 26. September 2005 von Agnes Egli-Ryser, Ehrenpräsidentin